Was macht gute Unter­neh­mens­füh­rung aus?

Gera­de im Mit­tel­stand ist Unter­neh­mens­füh­rung anspruchs­voll. Vie­le Unter­neh­men sind über Jahr­zehn­te durch unter­neh­me­ri­schen Mut, tech­ni­sches Know-how, Kun­den­nä­he und per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung gewach­sen. Häu­fig prä­gen die Inha­ber oder Geschäfts­füh­rer das Unter­neh­men stark. Ihre Erfah­rung und ihre Ent­schei­dun­gen sind wesent­li­che Erfolgs­fak­to­ren.

Doch gute Unter­neh­mens­füh­rung geht über ope­ra­ti­ve Kom­pe­tenz und wirt­schaft­li­chen Erfolg hin­aus. Sie ver­langt die Fähig­keit, stra­te­gisch zu den­ken, Men­schen zu füh­ren, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, Risi­ken früh­zei­tig zu erken­nen und not­wen­di­ge Ver­än­de­run­gen recht­zei­tig ein­zu­lei­ten.

Ein guter Geschäfts­füh­rer sorgt nicht nur dafür, dass das Unter­neh­men heu­te funk­tio­niert. Er schafft auch die Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass es mor­gen erfolg­reich sein kann.

A. Die fünf Säu­len guter Unter­neh­mens­füh­rung

  • Stra­te­gi­sche Ori­en­tie­rung: Die Unter­neh­mens­füh­rung kennt die eige­nen Stär­ken, ver­steht den Markt und ent­wi­ckelt eine kla­re Vor­stel­lung davon, wo das Unter­neh­men in drei, fünf oder zehn Jah­ren ste­hen soll.
  • Füh­rung und Unter­neh­mens­kul­tur: Gute Füh­rung schafft Ori­en­tie­rung, för­dert Eigen­ver­ant­wor­tung und ermög­licht kon­struk­ti­ven Wider­spruch. Mit­ar­bei­ter ver­ste­hen nicht nur, was sie tun sol­len, son­dern auch, war­um ihre Arbeit wich­tig ist.
  • Wirt­schaft­li­che Dis­zi­plin: Umsatz, Gewinn, Cash­flow, Kapi­tal­bin­dung und Risi­ken wer­den gemein­sam betrach­tet. Ent­schei­dun­gen ori­en­tie­ren sich nicht nur am Wachs­tum, son­dern an der lang­fris­ti­gen wirt­schaft­li­chen Trag­fä­hig­keit.
  • Ver­än­de­rungs­be­reit­schaft und Inno­va­ti­on: Das Unter­neh­men hin­ter­fragt sei­ne bis­he­ri­gen Erfolgs­re­zep­te, beob­ach­tet tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen und reagiert auf neue Kun­den­an­for­de­run­gen, bevor wirt­schaft­li­cher Druck die Ent­schei­dun­gen erzwingt.
  • Ver­ant­wor­tung und Ver­läss­lich­keit: Gute Unter­neh­mens­füh­rung han­delt trans­pa­rent, hält Zusa­gen ein und berück­sich­tigt die Aus­wir­kun­gen ihrer Ent­schei­dun­gen auf Mit­ar­bei­ter, Kun­den, Lie­fe­ran­ten, Eigen­tü­mer und die Zukunft des Unter­neh­mens.

Die­se fünf Säu­len hän­gen eng zusam­men. Eine kla­re Stra­te­gie ohne gute Mit­ar­bei­ter­füh­rung bleibt häu­fig wir­kungs­los. Gute Mit­ar­bei­ter­füh­rung ohne wirt­schaft­li­che Dis­zi­plin kann zu Fehl­ent­wick­lun­gen füh­ren. Und soli­de Finan­zen allein garan­tie­ren noch kei­ne Zukunfts­fä­hig­keit.

B. Stra­te­gi­sche Füh­rung: Nicht nur das Tages­ge­schäft beherr­schen

Eine der wich­tigs­ten Auf­ga­ben der Geschäfts­füh­rung besteht dar­in, das Unter­neh­men nicht aus­schließ­lich aus der Per­spek­ti­ve des lau­fen­den Geschäfts zu betrach­ten.

Im Mit­tel­stand ist der ope­ra­ti­ve Druck oft hoch. Kun­den benö­ti­gen schnel­le Ant­wor­ten, Pro­duk­ti­ons­pro­ble­me müs­sen gelöst, Lie­fer­ter­mi­ne ein­ge­hal­ten und Mit­ar­bei­ter­fra­gen geklärt wer­den. Das alles ist not­wen­dig. Die Gefahr ent­steht, wenn das Tages­ge­schäft sämt­li­che Auf­merk­sam­keit bin­det und die stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung immer wie­der ver­scho­ben wird.

Gute Füh­rung ent­schei­det des­halb bewusst, wor­auf das Unter­neh­men sei­ne Kräf­te kon­zen­triert und wel­che Mög­lich­kei­ten es nicht ver­folgt. Stra­te­gi­sche Füh­rung bedeu­tet nicht, mög­lichst vie­le Chan­cen zu nut­zen. Sie bedeu­tet, die rich­ti­gen Chan­cen aus­zu­wäh­len.

C. Ent­schei­dungs­qua­li­tät: Mut zur Ent­schei­dung und Bereit­schaft zur Kor­rek­tur

Geschäfts­füh­rer müs­sen täg­lich Ent­schei­dun­gen unter Unsi­cher­heit tref­fen. Nicht alle Infor­ma­tio­nen lie­gen voll­stän­dig vor, und nicht jede Ent­wick­lung lässt sich zuver­läs­sig pro­gnos­ti­zie­ren. Hier­bei ent­ste­hen typi­sche Füh­rungs­feh­ler wie:

  • Ent­schei­dun­gen wer­den zu lan­ge auf­ge­scho­ben: Die Geschäfts­füh­rung war­tet auf wei­te­re Infor­ma­tio­nen, obwohl die wesent­li­chen Fak­ten bereits vor­lie­gen. Aus Vor­sicht wird Untä­tig­keit.
  • Ent­schei­dun­gen wer­den aus Gewohn­heit getrof­fen: Bewähr­te Lösun­gen wer­den wie­der­holt, obwohl sich die Rah­men­be­din­gun­gen ver­än­dert haben. Erfah­rung ersetzt die aktu­el­le Ana­ly­se.
  • Fehl­ent­schei­dun­gen wer­den nicht kor­ri­giert: Weil bereits Geld, Zeit oder per­sön­li­ches Anse­hen inves­tiert wur­den, hält das Unter­neh­men an einem Pro­jekt fest, obwohl neue Erkennt­nis­se dage­gen­spre­chen.

Was gute Füh­rung statt­des­sen aus­zeich­net

  • Ent­schei­dun­gen beru­hen auf nach­voll­zieh­ba­ren Kri­te­ri­en.
  • Risi­ken und Alter­na­ti­ven wer­den offen ange­spro­chen.
  • Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Fris­ten sind klar.
  • Wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen wer­den anhand vor­her fest­ge­leg­ter Zie­le über­prüft.
  • Fehl­ent­wick­lun­gen füh­ren zu Anpas­sun­gen statt zu Schuld­zu­wei­sun­gen.

Eine beson­ders wich­ti­ge Fähig­keit ist die Bereit­schaft, eige­ne Annah­men infra­ge zu stel­len. Wer ein Unter­neh­men führt, muss nicht immer recht haben. Er muss erken­nen kön­nen, wann sich sei­ne Ein­schät­zung als falsch erweist.

D. Mit­ar­bei­ter­füh­rung: Men­schen ent­wi­ckeln statt nur Auf­ga­ben ver­tei­len

Die Leis­tungs­fä­hig­keit eines Unter­neh­mens hängt wesent­lich von den Men­schen ab, die dar­in arbei­ten. Maschi­nen, Soft­ware und Kapi­tal kön­nen Wett­be­werbs­vor­tei­le schaf­fen. Dau­er­haft wirk­sam wer­den sie jedoch erst durch qua­li­fi­zier­te, moti­vier­te und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Mit­ar­bei­ter. Gute Unter­neh­mens­füh­rung schafft des­halb Bedin­gun­gen, unter denen Men­schen ihre Fähig­kei­ten ein­brin­gen und wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen.

Dazu gehö­ren:

  • kla­re Zie­le und ein­deu­ti­ge Ver­ant­wort­lich­kei­ten,
  • nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dun­gen,
  • offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on,
  • kon­struk­ti­ves Feed­back,
  • ange­mes­se­ne Ent­schei­dungs­frei­heit,
  • Mög­lich­kei­ten zur Wei­ter­bil­dung,
  • Aner­ken­nung guter Leis­tun­gen.

Gera­de in inha­ber­ge­führ­ten Unter­neh­men besteht manch­mal die Ten­denz, mög­lichst vie­le Ent­schei­dun­gen selbst zu tref­fen. Wenn jede wich­ti­ge Ent­schei­dung über den Geschäfts­füh­rer lau­fen muss, ent­ste­hen lan­ge War­te­zei­ten. Mit­ar­bei­ter über­neh­men weni­ger Ver­ant­wor­tung, und die Füh­rungs­kraft ver­liert Zeit für stra­te­gi­sche Auf­ga­ben.

Gute Füh­rung bedeu­tet des­halb, Ver­ant­wor­tung gezielt zu dele­gie­ren und gleich­zei­tig kla­re Rah­men­be­din­gun­gen zu set­zen. Dele­ga­ti­on heißt nicht, sich aus der Ver­ant­wor­tung zurück­zu­zie­hen. Die Geschäfts­füh­rung bleibt dafür ver­ant­wort­lich, dass Zustän­dig­kei­ten, Kom­pe­ten­zen und Kon­troll­me­cha­nis­men funk­tio­nie­ren.

Reiner Christmann

Über den Autor: Rainer Christmann

Rainer Christmann ist Diplom-Ingenieur Maschinenbau (TU Darmstadt) und Inhaber von Atura Consult. Er war 10 Jahre Sales Manager bei der Pall Corporation, 7 Jahre Geschäftsführer der Metabo Polisys GmbH & Co. KG und 3 Jahre selbstständiger Berater für Restrukturierung. Von 2009 bis 2020 führte er als CEO die Argo-Hytos s.r.o. in Tschechien mit rund 700 Mitarbeitern aus einer existenziellen Krise. Der Umsatz verdoppelte sich bei gleicher Personalstärke, die Eigenkapitalquote stieg von 20 auf 55 Prozent. Seit 2021 unterstützt er Geschäftsführer im industriellen Mittelstand als Senior Advisor, Sparringspartner und Beirat.

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